Kann man Produzent:innen wirklich unterstützen, indem man einfach einkauft?
Ja. Aber nicht wie von Zauberhand. „Produzent:innen unterstützen" – diesen Ausdruck hört man oft. Aber was bedeutet das konkret? Lokal kaufen? Bio kaufen? Direkt ab Hof kaufen? Saisonale Produkte wählen? Nicht normiertes Gemüse akzeptieren? Die Antwort ist natürlich nicht eine einzige gute Tat. Aber unsere Ernährungsentscheidungen können dazu beitragen, bestimmte Absatzmöglichkeiten zu schaffen und damit bestimmte Produktionen aufzuwerten.
Produzent:innen brauchen Kund:innen… aber auch Absatzmöglichkeiten
Produzieren ist das eine.
Das Produzierte zu verkaufen ist etwas ganz anderes.
Produzent:innen können eine wunderschöne Ernte einfahren und trotzdem Schwierigkeiten haben, wenn ihre üblichen Absatzkanäle die Mengen oder bestimmte Produkte nicht aufnehmen können.
Deshalb ist die Diversifizierung der Absatzwege so interessant.
Je nach Situation können Produzent:innen mit Läden, Restaurants, Märkten, Verarbeitungsbetrieben, Korb-Systemen oder auch dem Direktverkauf zusammenarbeiten. Jeder Kanal erfüllt unterschiedliche Bedürfnisse.
Anders einkaufen kann also dazu beitragen, die Nachfrage zu verändern.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder einzelne Einkauf die Schweizer Landwirtschaft transformiert.
Aber gemeinsam beeinflussen unsere Gewohnheiten, welche Produkte einen Markt finden.
Wenn mehr Konsument:innen akzeptieren:
• saisonale Produkte;
• unterschiedliche Grössen;
• weniger standardisierte Früchte und Gemüse;
• direktere Vermarktungswege;
kann das dazu beitragen, die Verwertungsmöglichkeiten zu erweitern.
Das ist besonders wichtig für Produkte, die nicht perfekt den üblichen Standards entsprechen. Produzent:innen unterstützen heisst nicht nur lokal kaufen Lokal ist ein interessantes Kriterium, aber es erzählt nicht die ganze Geschichte.
Wenn man verantwortungsvoller konsumieren möchte, kann es auch hilfreich sein, auf die Entlöhnung der Produzent:innen, die Produktionsbedingungen, das Vermarktungsmodell, die tatsächlich verwerteten Mengen und die entlang der Kette entstehenden Verluste zu achten.
Ein lokales Produkt, das am Ende nicht konsumiert wird, hat einen Grossteil seines Wertes verloren. Umgekehrt kann es den Wert der geleisteten Arbeit steigern, wenn man einem bereits angebauten Produkt einen Absatzweg bietet. Und was hat Food Waste damit zu tun? Es hängt direkt zusammen.
Wenn wir ein Lebensmittel verschwenden, verschwenden wir nicht nur das, was in unserem Abfall landet. Wir verschwenden auch einen Teil der Arbeit, der Ressourcen und der Energie, die nötig waren, um es zu produzieren, zu ernten, vorzubereiten und zu transportieren.
Deshalb ist die Reduzierung von Food Waste auch eine Möglichkeit, die landwirtschaftliche Arbeit indirekt zu unterstützen. Bevor man versucht, mehr zu produzieren, kann es interessant sein, sich zu fragen, wie man das, was bereits existiert, besser nutzen kann.
Eine krumme Karotte, ein kleinerer Apfel oder eine zu grosse Zucchini sind nicht unbedingt Produkte von geringerer Qualität. Sie sind einfach anders. Und diese Unterschiede zu akzeptieren, mag wie eine Kleinigkeit erscheinen. Doch es ist auch eine Art zu sagen, dass der Wert eines Lebensmittels nicht nur in seinem Aussehen liegt.
Wie kann man Produzent:innen konkret unterstützen?
Es gibt nicht nur einen Weg. Je nach Möglichkeiten kann man saisonale Produkte bevorzugen, sich für ihre Herkunft interessieren, Kanäle wählen, die die landwirtschaftliche Arbeit angemessen wertschätzen, mehr Vielfalt bei Früchten und Gemüse akzeptieren und vor allem vermeiden, das Gekaufte zu verschwenden. Das sind kleine Entscheidungen. Aber multipliziert mit Tausenden von Konsument:innen können sie dazu beitragen, die Nachfrage zu verändern.