«Unschön», «überreif», «verdorben»: Warum diese drei Dinge nicht dasselbe bedeuten
Bevor du Früchte oder Gemüse wegwirfst, lohnt sich manchmal eine ganz einfache Frage: Was hat sich wirklich verändert?
In der grossen Familie der Lebensmittel, die nicht mehr ganz so aussehen wie an ihrem besten Tag, landet manchmal alles in derselben Kategorie: «Das sieht komisch aus, also werf ich’s weg.»
Dabei bedeuten «unschön», «überreif» und «verdorben» überhaupt nicht dasselbe. Und diese Unterscheidung ist besonders nützlich, wenn man zu Hause Food Waste reduzieren möchte.
Unperfekte Früchte oder Gemüse können völlig in Ordnung sein
Fangen wir mit unserem Lieblingsthema an. Nicht normgerechte Früchte oder Gemüse können kleiner, grösser, krumm, knubbelig oder einfach anders sein als ihre Nachbarn. Es geht dabei vor allem ums Aussehen.
Eine Karotte, die sich in zwei Richtungen teilt, ist nicht unbedingt weniger knackig als eine perfekt gerade Karotte. Ein unregelmässig geformter Apfel schmeckt nicht zwangsläufig schlechter. Eine krumme Zucchini verliert nicht ihre Qualitäten, nur weil sie nicht wie alle anderen aussieht.
Aussehen und Lebensmittelqualität sind nicht dasselbe.
Genau das ist das Prinzip der nicht normgerechten Früchte und Gemüse, für das wir uns einsetzen: Ein bisschen Normalität zurückbringen in eine Vielfalt, die letztlich ganz natürlich ist.
Überreife Früchte haben sich einfach weiterentwickelt
Anders sieht es aus, wenn Früchte einen fortgeschrittenen Reifegrad erreichen.
Ihre Textur verändert sich, die Festigkeit nimmt ab und der Geschmack kann süsser oder intensiver werden. Aber das heisst nicht unbedingt, dass sie in den Müll gehören.
Eine sehr reife Banane ist oft perfekt für:
• Bananenbrot;
• Pancakes;
• einen Smoothie;
• Kompott.
Genauso können sehr reife Tomaten zu einer Sauce werden, Äpfel, die anfangen zu schrumpeln, lassen sich zu Kompott verarbeiten und sehr reife Früchte können in einem Dessert ein zweites Leben finden. Ein Lebensmittel kann für eine Verwendung weniger geeignet sein und trotzdem für eine andere perfekt passen. Das ist übrigens eines der grossen Prinzipien der Anti-Food-Waste-Küche: Sich nicht nur zu fragen, ob ein Lebensmittel noch «wie neu» ist, sondern zu überlegen, welche Verwendung jetzt dafür passt.
Ein wirklich verdorbenes Lebensmittel ist etwas anderes
Hier muss der Anti-Food-Waste-Gedanke vernünftig bleiben. Eine kleine Druckstelle, eine leicht beschädigte Stelle oder ein Verlust an Festigkeit bedeutet nicht automatisch, dass ein Lebensmittel weggeworfen werden muss. Allerdings erfordern manche Veränderungen Vorsicht. Schimmel zum Beispiel sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Bestimmte Stoffe, die von Schimmel produziert werden, können sich im Lebensmittel ausbreiten, ohne sichtbar zu sein, und werden nicht unbedingt durch Kochen oder Einfrieren beseitigt. In diesem Fall ist es kein Anti-Food-Waste, das Lebensmittel unbedingt «retten» zu wollen. Lebensmittelsicherheit geht vor dem Ziel, nichts wegzuwerfen.
Drei Fragen vor dem Wegwerfen
Wenn dir Früchte oder Gemüse zweifelhaft vorkommen, nimm dir ein paar Sekunden Zeit, um sie genau anzuschauen.
Frag dich:
• Hat sich nur das Aussehen verändert?
• Ist es einfach reifer oder weniger fest?
• Zeigt es echte Anzeichen von Verderb?
Diese drei Situationen führen natürlich nicht zur selben Antwort.
Das Ziel ist nicht, alles um jeden Preis aufzubewahren. Es geht vielmehr darum, ein noch verwendbares Lebensmittel nicht automatisch wegzuwerfen.
Anti-Food-Waste beginnt manchmal mit einem anderen Blick
Wir sind an sehr gleichmässige Früchte und Gemüse gewöhnt: gleiche Grösse, gleiche Farbe, gleiche Festigkeit. Sobald ein Produkt davon abweicht, neigen wir dazu, ihm eine geringere Qualität zuzuschreiben. Dabei ist eine unregelmässige Form kein Verderb. Ein fortgeschrittener Reifegrad ist nicht zwangsläufig ein Problem. Und ein echtes Anzeichen von Verderb muss ernst genommen werden. Diese Unterscheidung zu treffen ist bereits ein kleiner Sieg gegen Food Waste.
Überreif heisst nicht unbedingt unbrauchbar. Verdorben erfordert mehr Vorsicht. Anti-Food-Waste bedeutet nicht, alles um jeden Preis zu behalten. Es bedeutet vor allem, Lebensmittel anzuschauen, zu verstehen und passend zu verwenden, bevor man sie wegwirft.