Logo
Artikel

Kurze Lieferketten: Wie viele Kilometer (und Zwischenhändler) liegen zwischen dem Feld und deinem Korb?

Kurze Lieferketten: Wie viele Kilometer (und Zwischenhändler) liegen zwischen dem Feld und deinem Korb?

«Lokal», «kurze Lieferkette», «saisonal»: Begriffe, die man überall hört. Wir erklären dir, was sie konkret bedeuten — und was sie verändern.

«Kurze Lieferkette» — einer dieser Begriffe, die ständig verwendet werden, aber kaum jemand wirklich versteht. Fast immer wird er mit kurzen Distanzen verbunden — dabei spricht die ursprüngliche Definition gar nicht von Kilometern. Wir klären auf, was stimmt und was nur ungefähr stimmt, mit Zahlen und Fakten.

Die Definition, die man zu kennen glaubt (und die oft überrascht)

Offiziell ist eine kurze Lieferkette ein Vertriebsweg, der die Anzahl der Zwischenhändler zwischen Produzent:in und Konsument:in begrenzt — maximal ein:e Zwischenhändler:in, sei es ein Laden, ein Markt oder eine Direktverkaufsplattform. In dieser strengen Definition ist von geografischer Distanz keine Rede: Produkte, die vom anderen Ende der Welt importiert und über nur eine:n Zwischenhändler:in verkauft werden, können technisch gesehen in diese Kategorie fallen.

Hier kommt ein zweiter, ergänzender Begriff ins Spiel: die «regionale kurze Lieferkette», die nun ein Distanzkriterium hinzufügt. Allgemein gilt ein Produkt als regional, wenn es weniger als 150 km zwischen Produktionsort und Verkaufsstelle zurücklegt — eine Distanz, die je nach Quelle variiert. Einige Organisationen setzen sogar noch strengere Grenzen an, etwa 50 bis 80 km für frische, wenig verarbeitete Produkte.

Der grosse Unterschied: lange vs. kurze Lieferkette

Um den Unterschied zu messen, reicht eine Zahl: In einer klassischen Lebensmittel-Lieferkette durchläuft ein Produkt im Durchschnitt vier bis fünf Zwischenstationen, bevor es auf dem Teller landet — Produzent:in, Grosshändler:in, Logistikplattform, Einkaufszentrale, Detailhändler:in. Jede Etappe fügt nicht nur Kosten und eine zusätzliche Marge hinzu, sondern auch ein Verlustrisiko und Transportzeit, die sich direkt auf die Frische des Produkts auswirkt.

Einige internationale Schätzungen sprechen von einer durchschnittlichen Distanz von 2’400 Kilometern, die Lebensmittel zurücklegen, bevor sie auf unseren Tellern landen — eine Zahl, die je nach Region und Produkt stark variiert, aber eine Vorstellung vom Ausmass der «langen Lieferkette» in unseren heutigen Ernährungssystemen gibt.

Wo steht die Schweiz ganz konkret?

Der Selbstversorgungsgrad der Schweiz — der Anteil dessen, was wir konsumieren und im Land produziert wird — liegt aktuell bei etwa 50 bis 54% brutto. Anders gesagt: Eine gute Hälfte dessen, was wir in der Schweiz essen, wird importiert. Bei Früchten deckt die Schweizer Produktion nur etwa 23% des Verbrauchs, bei Gemüse sind es 44%. Der Rest reist — manchmal von sehr weit her, manchmal aus einem Nachbarland, das nur ein paar hundert Kilometer entfernt liegt.

Diese Feststellung ist kein Schicksal, sondern eine klimatische und saisonale Realität: Die Schweiz kann keine Mangos oder Bananen anbauen. Genau deshalb bedeutet «lokal» nicht «100% Schweiz zu jeder Jahreszeit», sondern eher «so nah wie möglich, wann immer es möglich ist» — ein Prinzip, dem übrigens auch das Knospe-Label von Bio Suisse folgt, das bei unvermeidlichen Importen Produkte aus Europa oder dem Mittelmeerraum gegenüber solchen vom anderen Ende der Welt bevorzugt.

Warum weniger Zwischenhändler nicht nur eine Frage der Kilometer ist

  • Weniger Etappen, weniger Verluste: Jede:r zusätzliche Zwischenhändler:in ist eine Gelegenheit, ein Produkt unterwegs zu verlieren (Unterbrechung der Kühlkette, Handling, Lagerung).
  • Eine bessere Vergütung für die Produzent:innen: Ohne die aufeinanderfolgenden Margen, die bei jeder Etappe abgezogen werden, behält der:die Produzent:in einen grösseren Anteil am Endpreis.
  • Sofortige Rückverfolgbarkeit: Weniger Zwischenhändler:innen bedeutet auch weniger Intransparenz bezüglich der tatsächlichen Herkunft und der Produktionsbedingungen eines Produkts.
  • Automatisch bessere Frische: Weniger Transport und weniger Lageretappen bedeutet oft eine Ernte, die näher am Konsumzeitpunkt liegt.

Die UglyFruits-Lieferkette, kurz erklärt

Bei UglyFruits arbeiten wir direkt mit unseren Partner-Produzent:innen zusammen, die hauptsächlich im Seeland — dem grössten Gemüsegarten der Schweiz — und je nach Saison in anderen Regionen des Landes ansässig sind. Konkret heisst das: wenige Zwischenhändler:innen, kurze Transportwege und vor allem eine viel bessere Verwertung von nicht-normiertem Gemüse und Früchten, die in einer langen Lieferkette voller ästhetischer Sortierstufen oft keine Chance hätten.

Die kurze Lieferkette ist also nicht nur ein sympathisches Marketing-Argument: Es ist eine strukturelle Entscheidung, die einen direkten Einfluss darauf hat, was wirklich in deinem Korb landet — und was sonst im Abfall landen würde, lange bevor es dort ankommen könnte.

Quellen: Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), Agrarbericht 2024; Schweizer Bauernverband (SBV), Agristat, Nahrungsmittelbilanz 2023; Wikipedia, «Kurze Lieferkette»; Équiterre, «Kurze Vermarktungswege für Lebensmittel»; Bio Suisse, «Importe». UglyFruits — 100% Bio-Gemüse und -Früchte, nicht normiert, vor der Verschwendung gerettet und in die ganze Schweiz geliefert.

Weitere Artikel

Haltbarkeitsdatum auf Lebensmittelverpackung

Haltbarkeitsdaten: Was sie wirklich bedeuten...

...und warum deine Nase oft mehr weiss als das Etikett! «Abgelaufen» – ein Wort, das Angst macht... und das, Hand auf...

Gemüse- und Früchteschalen bereit zum Kochen

Wirfst du die Schalen und Stiele von deinem Gemüse und deinen Früchten weg?

Wir haben 10 Rezepte dafür. Vom Lauchgrün bis zu Apfelschalen — alles verdient eine zweite Chance auf dem Teller.

Feuchtes Tuch und Küchenpapier für die Aufbewahrung von Früchten und Gemüse

Feuchtes Tuch und Küchenpapier: die zwei besten Freunde deiner Früchte und deines Gemüses!

Zwei «Werkzeuge», die du bereits in deiner Küche hast – und die die Hälfte deines Korbs retten könnten.

Kühlschrank oder nicht?

DAS ist die Frage, die spaltet — und die Antwort ändert sich bei Hitze gewaltig. Hier das Wichtigste auf einen Blick.

Der unsichtbare Food Waste: Alles, was verloren geht, bevor es überhaupt auf deinem Teller landet

Über Food Waste zu Hause wurde schon viel gesprochen. Heute gehen wir die Kette zurück — bis aufs Feld

Feuchtes Tuch und Küchenpapier neben Gemüse

Feuchtes Tuch und Küchenpapier: die zwei besten Freunde deines unperfekten Gemüses

Zwei «Werkzeuge», die du bereits in deiner Küche hast — und die die Hälfte deines Korbs retten könnten.

Früchte und Gemüse bei Hitze

Wenn's heiss wird, wird leider auch mehr verschwendet!

Den Zusammenhang zwischen Hitzewelle und Food Waste verstehen (und vor allem, wie man damit umgeht). Der Sommer ist n...

Die Insolvenz von Farmy.ch betrifft auch uns — und lädt uns zum gemeinsamen Nachdenken ein

Die Schliessung von Farmy ist keine Nachricht, die man gleichgültig aufnimmt — und schon gar nicht mit Genugtuung. Fa...

Frisches Bio-Gemüse direkt vom Feld

Warum sind unsere Produkte besser als im Supermarkt?

Das ist keine Frage der Kommunikation. Es ist eine Frage des Modells. Wie ein Gemüse angebaut, gelagert, transportier...