Die Insolvenz von Farmy.ch betrifft auch uns — und lädt uns zum gemeinsamen Nachdenken ein
Die Schliessung von Farmy ist keine Nachricht, die man gleichgültig aufnimmt — und schon gar nicht mit Genugtuung. Farmy war ein Akteur, der wie wir daran glaubte, dass man die Art und Weise verändern kann, wie die Schweizer:innen konsumieren: indem man lokale Produzent:innen wertschätzt, Lieferwege verkürzt und gute Lebensmittel zugänglich macht.
Zu sehen, wie ein solches Unternehmen verschwindet, lässt uns zuerst an die Teams denken, an die Partner-Landwirt:innen und an die treuen Kund:innen, die sich an ihren Service gewöhnt hatten. Es ist ein Verlust, und wir erkennen das ohne Umschweife an. “Der Schweizer Markt für Direktlieferungen von Produzent:innen ist schwierig. Nicht unmöglich — aber schwierig.”
Warum die Schweiz ein besonders anspruchsvolles Terrain ist
Es ist kein Geheimnis für alle, die versucht haben, ein Modell für Lebensmittel-Lieferungen in der Schweiz aufzubauen: Die Kosten gehören zu den höchsten, und der Spielraum ist strukturell eng.
Die 3 Herausforderungen des Schweizer Marktes Die Logistik, eine finanzielle Hürde. Frische Produkte in einem bergigen Gebiet zu liefern, mit Schweizer Standards bei Lieferzeit und Qualität, ist teuer. Sehr teuer. Kühlfahrzeuge, Mehrstopp-Touren in dünn besiedelten Tälern, Isolierverpackungen — jeder Kilometer belastet die Bilanz. Ein Markt, der sich langsam entwickelt. Der Online-Lebensmittelhandel in der Schweiz ist im Vergleich zu unseren Nachbarn unterentwickelt. Die Gewohnheiten — Wochenmärkte, Nahversorgung, Supermärkte im Stadtzentrum — sind tief verankert. Neue Kund:innen zu gewinnen kostet viel; sie zu binden braucht Zeit. Und der gesamte adressierbare Markt bleibt bis heute begrenzt. Nicht reduzierbare Produktkosten. Mit lokalen Produzent:innen zu arbeiten, die faire Löhne zahlen, Umweltstandards einhalten und in kleinen Mengen produzieren, ist eine Wertentscheidung — aber auch eine Kostenentscheidung. An diesem Posten zu sparen, ohne das ursprüngliche Versprechen zu verraten, ist unmöglich. In diesem Kontext bedeutet schnelles Wachstum, Geld in die Logistik zu stecken, bevor das Volumen diese Fixkosten amortisiert. Das ist ein schwieriges Spiel. Und manchmal reichen selbst gute Absichten und ein echtes Produkt nicht aus.
Unser Modell: entstanden aus diesen Einschränkungen, nicht trotz ihnen
Uglyfruits hat nicht versucht, das Lieferproblem um jeden Preis zu lösen. Wir haben unser Modell um eine einfache Realität herum aufgebaut: In der Schweiz muss die Logistik von Anfang an als zentrale Einschränkung gedacht werden, nicht als Problem, das später mit Wachstum gelöst wird. Deshalb arbeiten wir mit planbaren Abos und optimierten Mengen. Nicht aus Eitelkeit oder mangelndem Ehrgeiz — sondern weil das Modell dadurch langfristig tragfähig wird. Weniger logistische Verschwendung, mehr Regelmässigkeit für die Produzent:innen, weniger Preisdruck für die Kund:innen. Wir behaupten nicht, alles gelöst zu haben. Aber wir haben uns entschieden, nichts Unmögliches zu versprechen. Und diese Disziplin, manchmal frustrierend, ist auch das, was uns ermöglicht, heute noch hier zu sein.
Was uns das Verschwinden von Farmy sagt
Es sagt uns, dass der Markt Pioniere nicht unbedingt belohnt. Dass eine Vision ohne robustes Geschäftsmodell fragil bleibt. Und dass im Lebensmittelsektor in der Schweiz die Schönheit eines Projekts ungünstige Grundlagen nicht ausgleichen kann.
Es sagt uns auch, dass es eine echte Nachfrage gibt — eine reale, aufrichtige, wachsende Nachfrage — nach einer lokaleren, faireren, weniger verschwenderischen Ernährung. Farmy hatte den Beweis dafür. Diese Nachfrage verschwindet nicht mit dem Unternehmen.